Bibliotheken-Projekt

Projektbeschreibung


„Die ideale Bibliothek sollte ein wenig sein wie der Stand eines bouquiniste, eines Straßenbuchhändlers:
ein Ort für unverhoffte Entdeckungen.“

(Umberto Eco, Nachschrift zu „Der Name der Rose“)

Seit Mitte 2007 arbeitet der Künstler Hannes Möller an seinem „Bibliotheken-Projekt“. Ein Besuch in der Cusanus-Bibliothek in Bernkastel-Kues steht am Beginn der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Thema. Es entstehen erste Aquarell-Gouache-Arbeiten auf Papier.

Alberto Manguel, der sich in seinen Büchern vor allem mit den Themen Lesen und Bibliotheken beschäftigt, bestärkt den Künstler durch eine inspirierende Lesung in der Deutschen Nationalbibliothek. Es folgen Treffen in Heidelberg und Frankfurt. Manguels Bücher werden zu wichtigen Begleitern des „Bibliotheken-Projekts“.

Möller besucht zunächst öffentliche Bibliotheken und Archive, sammelt fotografische Eindrücke von charakteristischen Bücherwänden, Buchreihen und Einzelbüchern sowie Bibliothekenarchitektur. Im Atelier entstehen groß- und kleinformatige Aquarell-Gouache-Arbeiten; mal überproportional vergrößerte Einzeldarstellungen, mal ganze Buchgruppen. Jede dieser „Kathedralen des Wissens“ (Manguel) beeindruckt den Künstler auf ihre besondere Weise:

  • Die mehrere tausend Bände umfassende, auf drei Etagen in über zwanzig Regalreihen geschichteten und nach Größe sortierten, in Kalbs- und Ziegenpergament gebundenen weißen Bände in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel.
  • Der unverkennbare Geruch und die Farbe des Holzes der Regale und der Böden, dazu die Mischung aus künstlichem Licht und Tageslicht auf den Buchreihen aus dem 18. Jahrhundert im Heyne-Lesesaal der Universitätsbibliothek von Göttingen.
  • Die noch fast vollständig erhaltene, herrlich verstaubte Bibliothèque Humaniste aus dem Vermächtnis des Beatus Rhenanus mit Handschriften und frühen Drucken aus dem 15. und 16. Jahrhundert im elsässischen Sélestat.
  • Natürlich die berühmte Stiftsbibliothek in St. Gallen, in deren barockem Bibliothekssaal die wertvollen Bestände durch hermetisch wirkende, vergitterte Türen geschützt werden.
  • Der breit gefächerte historische Buchbestand im Scharbausaal der Stadtbibliothek Lübeck aus dem 15. bis 19. Jahrhundert, aufgereiht in den ursprünglichen Regalanlagen von 1620.
  • Licht und Gegenlicht fallen durch die gotischen Fenster der berühmten Bodleian Library in Oxford auf die Buchrücken in den Alkoven und Galerien der historischen Säle Arts End, Selden End und Duke Humfrey‘s Library.
  • Von Brandgeruch durchdrungen ist das Archiv, in dem heute die zigtausend durch den Brand von 2004 in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar stark beschädigten oder zerstörten Bücher gelagert werden.
  • Tausende Bücher wurden beim Brand der Universitätsbibliothek im August 1914 durch deutsche Truppen zerstört. 30 verkohlte Exemplare befinden sich noch heute im Bestand der Universität. (s. Solitaire –Bibliothek Leuven 1914)

Durch ihre Bestände, Geschichte, Architektur oder Größe ist jede Bibliothek eine einzigartige, inspirierende Station auf dem Weg zu den Büchern. Durch besondere Eigenheiten wie Farben, Licht, Geruch, Staub erhält sie zusätzlich ihren ganz eigenen, typischen, manchmal geheimnisvollen Ausdruck. Darauf geht Hannes Möller in seinen Bildern ein. Er verarbeitet, ohne je etwas zu inszenieren, das Vorgefundene und ist dem individuellen Gesicht der Bibliothek auf der Spur.