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Das "Bibliotheken-Projekt" |
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Seit Mitte 2007 arbeitet der Künstler Hannes Möller an seinem "Bibliotheken-Projekt". Ein Besuch in der Cusanus-Bibliothek in Bernkastel-Kues steht am Beginn der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Thema. Nikolaus von Kues vertritt schon 1440 in seinem Werk "Die belehrte Unwissenheit" (De docta ignorantia) die Auffassung, die Erde sei vielleicht gar nicht der Mittelpunkt des Universums und der Weltraum nicht begrenzt, sondern unendlich. So entsteht die Idee, die von Cusanus gegründete Bibliothek als Universum darzustellen. Dies gelingt mit Hilfe einer ca. 15 cm großen massiven Glaskugel, durch die hindurch Hannes Möller die gotische Bibliothek fotografiert. In der Kugel bündeln und verbiegen sich die Buchreihen, wölbt sich die Architektur; die Bibliothek wird zum Buchuniversum. Alberto Manguel, der sich in seinen Büchern vor allem mit den Themen Lesen und Bibliotheken beschäftigt, bestärkt den Künstler durch eine inspirierende Lesung in der Deutschen Nationalbibliothek. Manguels Bücher werden zu wichtigen Begleitern des "Bibliotheken-Projekts".
Möller besucht zunächst öffentliche Bibliotheken und Archive, sammelt fotografische Eindrücke von charakteristischen Bücherwänden, Buchreihen und Einzelbüchern sowie Bibliothekenarchitektur. Im Atelier entstehen groß- und kleinformatige Aquarell-/Gouache-Arbeiten; mal überproportional vergrößerte Details, mal verkleinerte Ausschnitte von Buchgruppen. Jede dieser "Kathedralen des Wissens" (Manguel) beeindruckt den Künstler auf ihre besondere Weise:
Durch ihre Bestände, Geschichte, Architektur oder Größe ist jede Bibliothek eine einzigartige, inspirierende Station auf dem Weg zu den
Büchern. Durch besondere Eigenheiten wie Farben, Licht, Geruch, Staub erhält sie zusätzlich ihren ganz eigenen, typischen, manchmal geheimnisvollen Ausdruck. Darauf geht
Hannes Möller in seinen Bildern ein. Er verarbeitet, ohne je etwas zu inszenieren, das Vorgefundene und ist dem individuellen Gesicht der Bibliothek auf der Spur.
"Die verlorene Bibliothek"
stellt eine Ausnahme in der Reihe der Bibliotheken dar, da sie sich von den anderen durch Ansatz, Umfang und Bedeutung unterscheidet.
Die ursprünglich etwa 700 Bände umfassende Bibliothek des Zisterzienserklosters Eberbach im Rheingau wurde erstmals im Dreißigjährigen Krieg teilweise
geplündert. Während der Säkularisierung um 1803 wurden die Bücher endgültig in alle Winde zerstreut. Professor Nigel F. Palmer von der University
of Oxford hat die Aufenthaltsorte von ca. 190 Handschriften ermittelt und in seinem Buch "Zisterzienser und ihre Bücher" zusammen gestellt und ausführlich beschrieben.
Seine Arbeit bildet die Grundlage für diesen Projektteil. Der größte Teil der Manuskripte, etwa 110, ist schon im 17. Jahrhundert nach England gelangt und
befindet sich heute in der Bodleian Library in Oxford. Mehr als 30 Bücher stehen in der British Library in London, die anderen verteilen sich auf verschiedene Bibliotheken
in Deutschland. Hannes Möller unternimmt den Versuch, Handschriften und Inkunabeln in einer großen, aus vielen einzelnen Gemälden bestehenden
künstlerischen Arbeit in einer imaginären Bibliothek wieder zusammenzutragen.
Nach über drei Jahren wurde die Arbeit an dem einhundert einzelne Bilder umfassenden Projekt am 26. 01. 2012 abgeschlossen.
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www.hannes-moeller.com
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